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So spottest Du richtig!

Richtig helfen bei Kniebeugen. Aber wie macht man das richtig?

veröffentlicht von Timo Konzelmann

Gerade bei wirklich schweren Sätzen ist es Gold wert, jemanden zu haben, der einen im Training absichert. Dummerweise stellt diese an sich einfache Aufgabe viele Studiobesucher vor eine kaum zu bewältigende Herausforderung. 

„Fehler“ resultieren nicht selten aus Missverständnissen und mangelnder Absprache. Auch in diesem Fall dürfte das sehr häufig der Fall sein. Denn wie sieht das denn in der Praxis aus, wenn im Gym nach einem Spotter gesucht wird? „Hey, kannst du mir kurz beim Bankdrücken sichern?“ „Klar, ich komme.“ Mit etwas Glück folgt noch dieser Wortwechsel: „Wie viele machst du?“ „Acht.“ Soweit, so unklar. 

Die Sache mit den vier Seiten

Findet im Vorfeld gar keine Kommunikation statt, ist es erwartbar, dass der nun folgende Satz kaum so ablaufen wird, wie gewünscht, es sei denn, der Trainierende und der Spotter haben zufälligerweise die gleiche Auffassung davon, was Spotten bedeutet.

Doch auch ein kurzes Gespräch vorab bedeutet nicht zwangsläufig, dass es zu keinen Missverständnissen kommen kann. Schuld daran ist das Kommunikationsquadrat, ein Modell zur Beschreibung der verbalen Kommunikation von Friedrich Schulz von Thun. Vereinfacht ausgedrückt besagt es, dass jede Kommunikation einen Sender, also denjenigen, der spricht, und einen Empfänger hat, also denjenigen, der zuhört. Die Äußerung selbst hat nun vier Ebenen, die Selbstoffenbarung, den Sachinhalt, den Appell und den Beziehungshinweis. Ein einfaches Beispiel, um das deutlich zu machen: Ihr sitzt im Auto und der Beifahrer ruft auf einmal „Da vorne ist grün.“ Auf der Inhaltsebene haben wir also den Hinweis auf eine grüne Ampel in kurzer Distanz. Auf der Ebene der Selbstoffenbarung gibt es schon mehrere Möglichkeiten, beispielsweise „Ich habe es eilig“ oder „Ich würde mir wünschen, er fährt aufmerksammer“. Der Appell könnte sein „Fahr schneller, dann schafft du die Ampel noch.“ Wie die Botschaft zu verstehen ist, hängt natürlich auch stark von der Beziehung der beiden Beteiligten ab. Ist der Beifahrer einfach ein notorischer Reinrufer, kann die Äußerung schnell als Angriff gedeutet werden.

Wir halten also fest: Zwischen dem, was man sagen will und dem, was das Gegenüber versteht, kann es durchaus Unterschiede geben. 

Nie von sich selbst ausgehen

Je besser man das Gegenüber kennt, desto besser kann man einschätzen, wie derjenige auf die eigene Aussage reagieren wird, denn der wiederum weiß, wie man selbst die eigene Äußerung meint und was man mit ihr bezwecken will. Für unseren Fall bedeutet das, dass man klar unterscheiden muss, ob man mit einem jahrelangen Trainingspartner oder einem Fremden spricht. Während im ersten Fall schon ein nonverbales Nicken reichen kann, ist im zweiten Fall eine eindeutige Aufgabenbeschreibung notwendig, denn einfach davon auszugehen, dass der andere es schon so machen wird, wie man es selbst gerne hätte, ist der sicherste Weg zur Enttäuschung.

Gleiches gilt übrigens auch für den Spotter. Natürlich sollte es eigentlich die Aufgabe dessen sein, der um Hilfe bittet, zu erklären, wie er sich diese Hilfe vorstellt. Dennoch: Lieber einmal mehr nachfragen als am Ende ein für alle Seiten unbefriedigendes Ergebnis zu haben. Was gar nicht geht: Lehrer spielen wollen, indem man sich nicht an die Absprache hält, weil man der Meinung ist, viel besser zu wissen, wie das mit dem Spotten optimal läuft. 

Wie viel Hilfe ist nötig?

Nun sind wir beim Kern der Sache: Wo hört das Absichern auf und wo fängt das aktive Helfen an? Das klassische Sichern kennen wir beispielsweise aus dem Powerlifting. Hier bleiben die Hände solange von der Hantel, bis der Trainierende aktiv zur Hilfe auffordert oder erkennbar ist, dass er die Wiederholung ohne fremde Hilfe auf keinen Fall wird beenden können. Diese Form ist sehr ehrlich, erlaubt sie dem Trainierenden doch wirklich nur das Gewicht zu verwenden, dass er auch alleine bewegen kann. Alle anderen Formen setzen einen aktiven Eingriff ins Training voraus, um das gewünschte Ziel zu erreichen, sei es, indem ein Trainingsgewicht gewählt wird, dass man alleine nie bewältigen könnte oder indem eine Wiederholungszahl als Ziel ausgegeben wird, die mit dem gewählten Gewicht für den Trainierenden alleine nicht zu erreichen ist. Man spricht dann von assistierten Wiederholungen, einer Intensitätstechnik, die durchaus im Bodybuilding ihre Berechtigung hat.

Abhängig von der Intention des Trainierenden ist der Grad der Hilfe zu dosieren. Im ersten Fall wird an dem Punkt, an dem der Trainierende versagt, mit maximaler Kraft eingegriffen, um ein sicheres Ende der Übung zu ermöglichen. Im zweiten Fall gilt es in der Regel, die eingesetzte Kraft auf das notwendige Minimum zu dosieren, das zur Erreichung des vorgegebenen Ziels notwendig ist. An dieser Stelle kann man natürlich vortrefflich über Sinn und Unsinn eines solchen Vorgehens sprechen. Wie schon gesagt: In einem gewissen Rahmen kann das alles durchaus Sinn machen. Das in vielen Studios häufig zu beobachtende Tandemkreuzheben mit einem auf der Bank darunter liegenden Spotter, der tatsächlich denkt, er sei der größte Held, weil er 100 Kilo aufgelegt hat (von denen er selbst vielleicht 40 gedrückt hat), ist natürlich gänzlich schwachsinnig.  

Fazit: Redet miteinander!

Bevor der Satz also losgehen kann, sollten die beiden Beteiligten folgende Punkte abklären:

  • Wie viele Wiederholungen sind geplant?
  • Wünscht der Trainierende eine Absicherung oder aktive Hilfe?
  • Bei zweiterem: Wie viel Hilfe ist notwendig? (Wie viele Wiederholungen würde er mit dem Gewicht alleine schaffen, bzw. wie viel Gewicht schafft er denn alleine?)

Ferner sollten einfache Signale verabredet werden, um die Kommunikation im Satz zu vereinfachen.

Für den Spotter gilt es sich bei alldem zurückzunehmen. Es ist nicht sein Satz. Sicherlich kann man anmerken, dass man das geplante Vorgehen begrenzt sinnvoll hält, aber wenn man zusagt, zu helfen, dann tut man das so, wie der andere es sich wünscht.

Und: Für den Zeitraum des Spottens gehört alle Aufmerksamkeit dem Trainierenden, egal was ansonsten um einen herum passiert. Eine kurze Unachtsamkeit kann nämlich schwerwiegende Folgen haben.

Abschließend noch ein Satz: Spotten ist ein Geben und Nehmen. Auch wenn dadurch die Satzpause 30 Sekunden länger dauert als optimal wäre, hilft man, wenn man gefragt wird. Anders herum würde man es sich nämlich auch wünschen.

Autor: Thomas Koch www.ironhealth.de (Lizenzübernahme durch Übertragung Fitnessworld24.net auf Konzelmanns.de)