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Im Gespräch mit Ernährungswissenschaftler Dr. Nicolai Worm, Begrűnder der LOGI-Methode im deutschsprachigen Raum

Dr. Worm Logi Methode

Wie sind Sie auf LOGI gekommen, und was überzeugte Sie damals von dieser speziellen Ernährungsweise?

Dr. Worm: Seit dreißig Jahren verfolge ich genauestens die wissenschaftlichen Publikationen zum Thema Übergewicht, Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen und Bluthochdruck. Dabei fiel mir frühzeitig auf, dass die etablierte Ernährungslehre nicht annähernd das spiegelt, was die Forschungsergebnisse ergeben. So habe ich mich frühzeitig entschlossen, nicht nach den Vorgaben der Fachgesellschaften und ihrer Meinungsbildner zu handeln, sondern mich allein nach der wissenschaftlichen Evidenz zu richten. LOGI ist das evidenz-basierte Resultat. Es hat sich aber inzwischen auch Tausendfach in der Praxis bewährt.

LOGI steht für "Low Glycemic and Insulinemic Diet„ und bedeutet, dass Nahrungsmittel mit niedriger Blutzucker- und Insulinwirkung bevorzugt werden. Konkret muss dafür einerseits die Menge an Kohlenhydraten reduziert und andererseits die Kohlenhydratqualität beachtet werden. Die Basis der Ernährung bilden stärkearme Gemüse, Salate und Früchte in Kombination mit eiweißreichen Nahrungsmitteln. Gleichzeitig wird auf eine hohe Fettqualität bei Betonung der einfach ungesättigten Fettsäuren und eines günstigen Verhältnisses von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren geachtet.

LOGI ermöglicht bei sehr geringer Energiedichte, hoher Sättigungswirkung und lang anhaltender Sattheit eine dauerhaft niedrige Kalorienzufuhr in Kombination mit einer optimalen Nährstoffversorgung. Eine dauerhafte Gewichtsreduktion wird auf diese Weise erleichtert. Aber selbst bei ausbleibender Reduktion des Übergewichts werden mit dieser Kostumstellung alle Facetten des Metabolischen Syndroms, insbesondere die Fettstoffwechselstörungen und die Blutzuckerspitzen wie auch die hohen Insulinspiegel ünstig beeinflusst. Folglich lassen sich mit dieser Ernährungsumstellung erhebliche Einsparungen bei den Medikamentenkosten erzielen. Primäre Zielgruppen für die LOGI-Methode sind Patienten mit Übergewicht, PCO-Syndrom, Metabolischem Syndrom und Typ-2 Diabetes.

Die LOGI-Methode fördert Genuss und Lebensqualität und sorgt so für hohe Compliance. Für LOGI ist auch keine radikale Umstellung der Ernährungsgewohnheiten notwendig. LOGI basiert auf allen traditionellen Grundnahrungsmitteln und kommt ohne Zusatzprodukte bzw. Nährstoffsupplemente aus.

Was wird auf uns in Sachen "Übergewicht„ noch zu kommen?

Dr. Worm: Wenn der Trend so weitergeht, wie die letzten Jahrzehnte, werden bald 100 % der Bevölkerung übergewichtig sein. Es gibt nur eine Ursache für Übergewicht: eine positive Energiebilanz. Dass die meisten Menschen heute mehr Kalorien zuführen als sie verbrauchen, hängt an unserem selbstgewählten "modernen„ Lifestyle. Die Nahrung ist im Verhältnis zum Einkommen kostengünstig und überall rund um die Uhr verfügbar. Außerdem ist sie raffinierte und konzentrierte Nahrung. Das heißt auf kleinem Raum liefert sie viele Kalorien. Wenn man den Magen gefüllt hat und Sättigung eintritt hat man zu viele Kalorien bereits aufgenommen. Außerdem enthält die Kost viele "Hungermacher„, süße und stärkereiche Kost.

Hinzu kommt, dass der Energieverbrauch auch immer geringer wird: Automatisierung, Städtebau, Verkehrsanbindung, Wohnungsbau (gut isoliert) warme Kleidung, und eine schwindenden Muskelmasse dank geringer muskulärer Belastung. Und die Menschen/Industrie/Arbeitgeber tun alles dafür, das Leben so "bequem„ wie möglich zu gestalten. Ich bin also durchaus pessimistisch.

Werden sich dadurch auch bei uns "Amerikanische Zustände„ ergeben ?

Dr. Worm: Die europäische Kultur und Esskultur unterscheidet sich erfreulicherweise immer noch genügend von der der USA, so dass sich vergleichbar katastrophale Verhältnisse nicht einstellen werden. Aber wir müssen auf politischer Ebene endlich eingreifen, um das Fortschreiten des gegenwärtigen Trends zu stoppen.

LOGI & Ausdauersport, ein neuer Stellenwert in der Sportler Ernährung

Dr. Worm: Für den Hobbysportler ist die Frage kohlenhydratbetonte oder kohlenhydratreduzierte Kost ohne Relevanz. Statt sich viele Gedanken über die Nahrung zu machen, sollte man lieber einmal mehr Sport machen!

Im Leistungssport ist die Akzeptanz von Low-Carb zumindestens im Bereich der Ausdauersportarten am Steigen begriffen. Wer mit niedrigen Kohlenhydratspeichern in Muskel und Leber Ausdauer trainiert, zwingt den Körper seinen Fettstoffwechsel verstärkt zu nutzen. Daraus entsteht eine Anpassungsreaktion. Man trainiert seinen Fettstoffwechsel und kann nach einigen Wochen höhere Belastungen auch noch mit Fettverbrennung abdecken. Der Körper lernt mit seinen wertvollen aber knappen Kohlenhydratreserven zu haushalten. Wenn man dann in Vorbereitung für einen Wettkampf einige Tage vorher kohlenhydratbetont isst und seine Glykogenreserven aufbaut, hat man zwei Vorteile: bessere Leistung auf Fettverbrennung und Schonung der Glykogenreserven, die dann um so reichlicher für die Belastungsspitzen übrig sind.

Kinder & LOGI , ein sinnvolles Augenmerk ?

Dr. Worm: Die Urform der LOGI-Pyramide stammt aus der Universitätskinderklinik der Harvard-Universität in Boston. Dort setzt man in der Übergewichts- und Stoffwechselambulanz mit großem Erfolg LOGI bei Kindern und Jugendlichen ein. LOGI ist in der Tat auch für diese Altersgruppe geeignet.

Können Sie verraten, an welchen [LOGI] Projekt Sie zur Zeit arbeiten ?

Dr. Worm: Ich arbeite natürlich allgemein an der weiteren Verbreitung von LOGI und hier insbesondere an der Schulung von Ärzten und Ernährungsberatern. Ganz konkret plane ich auch ein neues umfassendes Buch, ein Nachfolger für das "Mammut„. Ich bin an einer ganz spannenden Story. Aber weder Titel noch Inhalt werden vorab verraten. Lassen Sie sich überraschen.

Fűr das Gespräch bedanke ich mir recht herzlich.

Timo Konzelmann -Inhaber Konzelmann's Original


geschrieben am 19.02.2010 um 17:22 Uhr.